17.07.2026 · 5 Min. Lesezeit
Muss ich Midjourney-Bilder kennzeichnen? Die Regeln für KI-Bilder ab August 2026
Fotorealistische KI-Bilder: ja, fast immer. Offensichtlich illustrative oder künstlerische Bilder: meist nicht oder nur dezent.
Die Frage erreicht uns am häufigsten aus Agenturen: Wir bauen Kampagnenmotive mit Midjourney, müssen wir die jetzt alle labeln? Die ehrliche Antwort: Es kommt auf das Bild an, und der Test dafür ist konkret. Er gilt genauso für DALL-E, Adobe Firefly, Stable Diffusion, Flux und jedes andere Bildtool.
Der entscheidende Test: Könnte man es für echt halten?
Art. 50 Abs. 4 verlangt die Offenlegung bei sogenannten Deepfakes. Das klingt nach Politiker-Fakes, ist aber viel breiter definiert: Ein Deepfake ist jeder KI-Inhalt, der bestehenden Personen, Gegenständen, Orten oder Ereignissen ähnelt und einer Person fälschlicherweise als echt erscheinen würde.
Nach den Leitlinien der Kommission heißt das: Auch ein fotorealistisches Bild einer erfundenen Person, eines erfundenen Cafés oder eures Produkts auf einem Marmortisch zählt, wenn Betrachter es für eine echte Fotografie halten könnten. Auf Täuschungsabsicht kommt es nicht an. Das fotorealistische Midjourney-Produktbild für den Onlineshop ist damit der Standardfall der Kennzeichnungspflicht, nicht die Ausnahme.
Was meist nicht gekennzeichnet werden muss
Keine oder nur eine abgeschwächte Pflicht gilt typischerweise für:
- Offensichtlich illustrative Bilder: Comic-Stil, flache Illustrationen, abstrakte Grafiken, die niemand für ein Foto hält
- Offensichtlich künstlerische oder satirische Werke: Hier reicht eine dezente Offenlegung, die das Werk nicht stört
- KI-gestützte Retusche in echten Fotos, solange die Aussage des Bildes nicht wesentlich verändert wird (die Grenze ist fließend, im Zweifel prüfen)
- Rein interne Verwendung ohne Veröffentlichung, etwa Moodboards und Entwürfe
Wie das Label aussehen sollte
Die Offenlegung muss klar, gut wahrnehmbar und spätestens bei der ersten Interaktion mit dem Inhalt erkennbar sein. In der Praxis heißt das: ein sichtbarer Hinweis wie 'KI-generiert' im oder direkt am Bild, in der Caption oder Bildunterschrift. Plattform-Labels von Instagram oder TikTok ergänzen eure Pflicht, ersetzen sie aber nicht, denn Offenlegungs- und Nachweispflicht bleiben bei euch.
ActWerk formuliert für jeden Inhalt einen kanalgerechten Label-Text und dokumentiert die Entscheidung revisionssicher, auch dann, wenn das Ergebnis 'keine Kennzeichnung nötig' lautet. Gerade dieser Negativ-Nachweis ist im Prüfungsfall Gold wert.
Wie viele eurer Inhalte sind betroffen?
Der kostenlose Betroffenheits-Check zeigt es in 2 Minuten, inklusive eurer größten Lücken.
Betroffenheits-Check startenStand: Juli 2026, auf Basis von Art. 50 AI Act, den Leitlinien der EU-Kommission (Entwurf 08.05.2026) und dem Code of Practice (final 10.06.2026). Dieser Beitrag ist eine allgemeine Information und keine Rechtsberatung im Einzelfall.